WOCHERPANORAMA. //

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EIN KRONJUWEL: DAS WOCHER-PANORAMA VON 1814
IM SCHADAUPARK THUN, KANTON BERN. 
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(QUELLE: INTERNET)

 

 

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DAS WOCHER-PANORAMA IN THUN
ist das älteste erhaltene Rundbild der Welt.
Und noch ein Rekord: Das 360-Grad-Bild
war 1814 das erste in der Schweiz.
Trotzdem war das Panorama kein Erfolg
beschieden, bis heute.

Künstler Marquard Wocher (1760 - 1830)
malte das Bild in den Jahren 1809 bis
1814.  Das Panorama war zuerst in einem
eigens errichteten Gebäude in Basel am
Sternengässlein zu sehen.

Wocher skizzierte das Panorama als Blick
auf Thun (Kanton Bern). Der Betrachter
befindet sich auf einem Dachbalkon mitten
in der Altstadt. Diese ungewöhnliche
Perspektive erlaubt dem Betrachter noch
heute einen überraschend nahen Blick in
die Gassen, Wohnstuben und Schulzimmer.
Der Betrachter wird zum Beobachteten. 
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EIN NAHER BLICK IN DIE GASSEN UND INS LEBEN
DER ALTSTADT VON THUN: DER BEOBACHTER WIRD
ZUM BEOBACHTETEN. 
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(FOTOS: GA & PEMO)

 

    

PERFEKTE ILLUSION: Auch der
Betrachter von heute hat den realen
Eindruck, virtuell auf dem Dachbalkon
Thuns zu stehen, freilich mit einem
Zeitsprung rückwärts. Das Schloss,
die Dächer der Häuser sowie die Berge
Niesen und Stockhorn, der Thunersee
und die Aare verbinden das Damals
mit dem Heute. Eines fehlt, aber
keiner vermisst es: der Verkehrslärm. 

Die Grösse des Bildes war vor fast 200
Jahren zu klein. Zwar ist das Panorama
fast 7,5 Meter hoch und 38,3 Meter lang.
Doch das Bild war für seine Zeit zu klein
und zu harmlos. Die erfolgreichen
Panoramen in Paris und London zeigten
damals gewalttätige Schlachtgetümmel
oder sensationalle Naturschauspiele. 
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EIN VERMEINTLICHER ECHTER PANORAMABLICK
VOM DACHBALKON EINES ALTSTADTHAUSES. 
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EIN FLOPP: Kein Mensch wollte die
harmlose Beschaulichkeit einer
Kleinstadt im Berner Oberland sehen.
Wocher hatte vergeblich auf das
Interesse der Touristen und auf die
Wirking des wohlklingenden Namen
Thuns gehofft. Das Panoramabild
entsprach nicht dem Zeitgeist des
frühen 20. Jahrhunderts.

Wochers Projekt endete als finanzieller
Absturz. Völlig verarmt starb der Maler
im Alter von 70 Jahren in Basel. Zwei
Jahre zuvor war sein letzter Versuch
gescheitert, das Panoramabild zu
verkaufen. 
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DAS 7,5 METER HOHE RUNDBILD WAR FÜR DIE
BETRACHTER UM 1820 ZU WENIG SPEKTAKULÄR. 
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DAS VERGESSENE PANORAMA: Auch
nach Wochers Tod nahm das Trauerspiel
des Panoramabildes seinen Weg. Das
Basler Gebäude, in dem sein Lebenswerk
ausgestellt war, wechselte mehrmals den
Besitzer. 1887 wurde das Rundgemälde
aus dem Raum entfernt. Zehn Jahre später
war das Gebäude zerstört.

Dank der Schenkung eines Basler
Architekten gelangte das Panoramagemälde
1899 in den Besitz der Stadt Thun. Dort versank
es still und leise in der Vergessenheit. 
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AM SCHLUSS WARS EIN GESCHENK: DIE THUN ERHIELT DAS
GEMÄLDE 1899 VON EINEM BASLER ARCHITEKTEN.
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DAS ZWEITE LEBEN AM RANDE: Erst 60
Jahre später kam das Thuner Panorama
wieder an Licht. Seit 1961 kann das
Wocher-Panorama in einem eigens
gebauten Rundgebäude im hübschen
Schadau-Park in der Stadt Thun bestaunt
und erlebt werden -- allerdings nur während
der Sommersaison. Das Panorama gehört
der Eidgenössischen Gottfried-Keller-Stiftung.

"Der kulturelle Wert des Panoramas ist
ungewöhnlich", schreibt die Stadt Thun.
Das Bild besitze "hervorragende
künstlerische Qualitäten" und sei ein
"wichtiges Zeugnis für die Frühzeit des
Fremdenverkehrs".  
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DER KULTURELLE WERT DES PANORAMAS GILT ALS
AUSSERGEWÖHNLICH. 
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THUN SCHAUT WEG: Ein grosser
Renner ist das Wocher-Panorama, das
zum Betrieb des Kunstmuseums Thun
gehört, auch heute nicht. Obwohl das
Gemälde das älteste erhaltene Rundbild
der Welt ist, weiss die Stadt Thun die
Ausstrahlung des Juwels nicht zu nutzen.

Keine Wegweiser zeigen dem Besucher
den Weg zum einmaligen Panoramabild.
Für das Rundgebäude im Schadau-Park
wird kaum Werbung gemacht. Die Stadt
vermarktet ihren Superlativ nicht. Kaum
erstaunlich, dass sich nur wenige Leute
einen Panoramablick ins kleinstädtische
Leben vor Bergkulissen werfen. 
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TEXT: TOMAS GERBER

(QUELLEN: AUSSTELLUNGSKATALOG "PANORAMA",
KUNSTMUSEUM THUN, 2001; INFOBLATT ZUM
WOCHER-PANORAMA, INTERNET).

 

 

 

   

WOCHER-PANORAMA IM SCHADAU-PARK, 3600 THUN
15 MINUTEN ZU FUSS VOM BAHNHOF. 
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ÖFFNUNGSZEITEN: MAI BIS OKTOBER.
GENAUE ANGABEN: Website der Stadt Thun

 

 

KAUM WERBUNG FÜR DAS WOCHER-PANORAMA:
EIN KUPFERSTICH VON 1811 ALS ORIENTIERUNGSPLAN. 
//
(QUELLE: INTERNET)

 

 

 

 

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Weitere Informationen:

POSTKARTEN-GESCHICHTE  //  DIE ERSTE POSTKARTE DER WELT

PANORAMA-GESCHICHTE  //  DIE GESCHICHTE DES PANORAMAS

BOOKS  // PANORAMA: 360 GRAD & PANORAMAFOTO: TECHNIK

 

 

 

 

 


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